Impulse

Impuls:   CORONA BESIEGT CORONA

Corona – das ist lateinisch und heißt auf deutsch einfach „die Krone“. Unter dem Elektronenmikroskop erinnern die Coronaviren mit ihren kugelförmigen Hüllen tatsächlich an eine Krone. Daher der Name für diese Seuche. Mit ihr wollen wir natürlich möglichst nicht gekrönt werden.

Doch eine ganz andere Corona tragen wir wirklich gerne: „Er rettet dich mitten aus Todesgefahr und krönt dich mit Güte und Erbarmen“, lesen wir in der Bibel  (Psalm 103, Vers 4). Eine tolle Zusage, die uns Gott persönlich gibt. Und diesen Hut, nein diese Krone, dürfen wir uns in diesen Tagen bewusst aufsetzen lassen.

So erleben wir: Corona besiegt Corona! Was für eine Ermutigung!

Johannes Schäfer (Pastor im Ruhestand), 21.03.2020
 

 

Impuls:   Dankbar statt ängstlich

Die Corona-Krise macht Angst. Nichts ist mehr wie früher. Dabei sehne ich mich nach Begegnung mit anderen. Aber das ist gerade kaum möglich, jedenfalls im persönlichen Umgang. Wie kann ich dem entgehen, dass mich in dieser Situation meine Gefühle nach unten ziehen?

Ich habe entdeckt: Wenn ich mir abends vor dem Einschlafen gezielt überlege, was heute an diesem Tag trotz allem gut war, dann hilft mir das. "Loben zieht nach oben, Danken schützt vor Wanken" haben unsere Väter und Mütter im Glauben gesagt. Das stimmt auch heute. Und mir ist jetzt schon klar: Auch wenn die Corona-Krise dann hoffentlich irgendwann wieder vorbei ist, will ich diese "Übung" beibehalten. Denn sie tut vor allem mir selbst gut!

Pastor Holger Panteleit, 03.04.2020

PS: Manchmal gibt es wirklich schwierige Situationen zu bewältigen. Dann darf man Gott auch klagen!
 

 

Impuls:   Dornen-Corona: Sie müssen sich nur impfen lassen!

Geistliche Überlegungen während der Corona-Pandemie von Lutz Scheufler

Der Name Corona (spanisch) leitet sich von der Bauart des Virus ab und bedeutet „Krone“. Ein für die Augen unsichtbarer Winzling hält unseren Planeten in Atem. Viele Menschen reagieren verängstigt auf das grassierende Coronavirus: Klopapier hamstern und Vorratskammern füllen. Hilflos halten Politiker großspurige Reden: „Kein Arbeitsplatz geht verloren. Wir stemmen uns mit unserem Geld gegen das Virus.“ Zu den sinnvollen Vorkehrungen gehört: Die Hände werden desinfiziert. Mit dem greisen Nachbarn wird sich solidarisiert. Ist jemand infiziert, wird er isoliert.

Angesichts der Anstrengungen und der Angst überrascht mich jedoch alles das, was fehlt: kein großmäuliges „Wir werden das Klima retten“. Kein Gender-Gelaber um diverse Toiletten. Kein Vorwurf von Corona-Phobie.

Das Sünde-Virus

Und keine Angst vor einem viel schlimmeren Virus, das bereits alle Menschen infiziert hat und für alle garantiert tödlich ist! Unsere Welt ist seit jenem Tag davon befallen, seit die Tür zum Paradies ins Schloss gefallen ist. Adam – die Krone der Schöpfung – hat sich vom Schöpfer getrennt, und seit diesem Augenblick ist durch das Sünde-Virus unsere Welt infiziert. Da helfen keine Schönwetterreden: „Wir sind doch keine Sünder.“ Da helfen keine Vorkehrungen durch gute Taten. Da hilft keine Ablehnung von Drohbotschaften. Hier kann nur der mit der Dornen-Corona auf dem Kopf helfen. Jesus hat das Sünde-Virus durch seinen Tod am Kreuz besiegt.

Der Impfstoff kommt aus Israel

Ganz gleich welches Land zuerst den Impfstoff gegen das Coronavirus herstellt. Der Impfstoff gegen das Sünde-Virus kommt aus Israel und steht seit über 2.000 Jahren allen Menschen zur Verfügung – das Blut von Jesus: für Dich vergossen. Sie müssen sich nur impfen lassen!

(Der Autor, Lutz Scheufler (Waldenburg bei Zwickau), ist Evangelist und Liedermacher. Seit 2005 leitet er das Evangelisationsteam.)
(idea/23.03.2020)

 

Impuls:   Ein Gespenst geht um

„So reißt er auch dich aus dem Rachen der Angst in einen weiten Raum, wo keine Bedrängnis mehr ist.”

Aus dem alttestamentlichen Buch Hiob 36,16a


„Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus.“ Mit diesen Worten beginnt das berühmt-berüchtigte „Kommunistische Manifest“. Das ängstigt heute kaum jemanden mehr. Das Schreckgespenst von heute heißt Covid-19 – kurz: Corona. Nicht wir haben den Virus, der Virus hat uns! Während der tödlichen Seuchen des Mittelalters fragten sich die Menschen: „Komme ich in den Himmel oder in die Hölle, und wie kriege ich einen gnädigen Gott?“ Die Frage heute heißt: Wie kriege ich Klopapier und Mehl? Früher stand man bei Johann Tetzel um Ablassbriefe an – heute bei Aldi oder Lidl um Dosentomaten. Wir fürchten uns nicht mehr vor dem Fegefeuer, sondern vor leeren Regalen im Supermarkt. Statt nach verlässlicher Gnade streben wir nach reißfesten Küchentüchern. Die Frage ist doch: Wer herrscht über uns – ein obskurer „Kronenvirus“ oder der dornengekrönte Christus? Weil ich eine sehr resolute Lateinlehrerin hatte, weiß ich heute noch, dass „sub corona (!) vendere“ „als Sklaven verkaufen“ heißt (Danke, Frau Abt!). Ja, dieser Virus versklavt.

Nicht todernst, sondern auferstehungsfroh!

Aber Jesus führt in die herrliche Freiheit der Kinder Gottes. Gott reißt uns aus dem Rachen der Angst direkt hinein in die durchbohrten Hände Jesu. Er lebt und er regiert! Und im Fall der Fälle gilt: Wer an ihn glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt! Er hat Sünde, Tod und Teufel überwunden. Gehen wir doch in die vor uns liegende Zeit – nicht todernst, sondern auferstehungsfroh! Seien wir aufmerksam, aber nicht panisch. Angst macht das Leben eng, Gott eröffnet weiten Raum. Jesus hat die dem Tod verfallene Welt überwunden. Ostern ist ein Siegesfest! Mit meinen Schülern habe ich oft gebetet: „In meiner Angst bist du mir nah. Wenn ich dich rufe, bist du da. Wenn ich mich fürchte, hilfst du mir. Guter Gott, ich danke dir.“

Und ein Letztes noch: Vergessen wir nicht die Menschen, die in den Elendsquartieren, Flüchtlingslagern und armen Ländern der Welt von Corona betroffen sind – und beten wir für sie.


Jürgen Lauer (Wiesenbach) war 14 Jahre Gemeindepfarrer, 9 Jahre Studienleiter des Friedrich-Hauß-Studienzentrums bei Heidelberg sowie Religionslehrer an verschiedenen Schulen. In seinem Ruhestand hält er Vorträge und Seminare.

(idea; 16.04.2020)

 

Impuls:  Der Triumph des Kreuzes

Er hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und über sie triumphiert in Christus.

Aus dem Brief des Paulus an die Kolosser 2,15


Im feierlichen Triumphzug hielten die erfolgreichen römischen Heerführer Einzug in Rom. In ihrem Zug wurden die feindlichen Anführer gekettet mitgeführt. Vor ihrer Hinrichtung stellte man sie öffentlich zur Schau. Welche Schmach! Mit diesem Bild vergleicht Paulus die unwiderstehliche Macht und Wirkung des Kreuzes über die Mächte und Gewalten aus dem Herrschaftsbereich des Fürsten dieser Welt. Öffentlich sind sie entwaffnet und bloßgestellt. Ihre Zurschaustellung hat ihnen ihre ganze Wirkkraft entrissen.

Der Gekreuzigte macht frei von den magischen Kräften der obskuren Zwischenwelt. Manche Kirchenlehrer sprechen vom „durch das Kreuz getäuschten Satan“. Dass sich Gott in seinem Sohn für das Heil der Menschen kreuzigen lässt, ist für ihn unfassbar. Was zunächst als Sieg Satans aussieht, wird durch die Auferstehung Jesu Christi zu einem gewaltigen Triumph über Tod und Hölle. Auch Satan, die „schwarze Sonne“, ist gerichtet. Seine Macht ist gebrochen. Über die Jesus-Leute hat er keine Gewalt. Kreuz und Auferstehung sind Garantie dafür.


Wie ein langes Schachspiel

Ich vergleiche Gottes Heilsplan gerne mit einem lang andauernden Schachspiel. Der Ausgang ist ungewiss, bis einer der Spieler einen Zug macht, von dem der Kenner weiß, dass nun das Spiel entschieden ist – obschon noch unverdrossen weitergespielt wird. So ist es mit dem Kampf zwischen Licht und Finsternis. Der entscheidende Zug ist gemacht – mit dem Kreuz auf Golgatha! Der Sieg ist vollbracht. Das Kreuz mit dem Kreuz wird zum Triumpf des Kreuzes. Die Aktivitäten des Widersachers sind nur noch Rückzugsgefechte. Es bleibt ihm nur noch wenig Zeit. Sein definitives Ende ist beschlossene Sache.


Samuel Moser (Muri-Gümligen, Schweiz) ist Rentner. Vor seinem Ruhestand war er vielfältig engagiert, u. a. als Mitglied des idea-Vorstands in Deutschland und der Schweiz.

(idea; 22.04.2020)

 

Impuls:   Jesus ist da

Obwohl ihr Jesus nicht seht, glaubt ihr an ihn; und schon jetzt seid ihr erfüllt von herrlicher, unaussprechlicher Freude.

Aus dem 1. Brief des Apostels Petrus 1,8


Lesen Sie gerade auch in den Petrusbriefen (1.Petrus + 2.Petrus)? Wenn nicht, dann sollten Sie es unbedingt tun. Nicht nur häppchenweise, sondern wie einen Brief eben, vom Anfang bis zum Ende. Lesen Sie die beiden Briefe ruhig einmal und denken Sie an den Mann Petrus, der sich dahinter verbirgt. Sie werden unzählige Anklänge an sein Leben entdecken.

Was für ein beneidenswertes Leben! Denn Petrus hatte Jesus hautnah erlebt. Drei Jahre lang waren sie Tag und Nacht beisammen gewesen. Mit eigenen Augen hatte der Jünger seinen Meister erlebt, hatte Wunder gesehen, Ängste durchlitten und umwerfende Veränderungen erlebt, bis zuletzt am Ostermorgen. Man könnte ihn beneiden! Er hat uns tatsächlich etwas voraus.


Es gibt keinen Ort, an dem einer ohne Jesus sein muss

Aber jetzt ist auch Petrus nicht mehr hautnah dran. Jesus ist wieder im Himmel. Die Jünger sind auf sich gestellt. Allein predigen sie, reisen sie, ringen sie, trösten sie und schauen als Christen im Römischen Reich einer ungewissen Zukunft entgegen. Geht das? Ja, es geht, weil es auch jetzt kein Leben ohne Jesus ist. Seit Jesus auferstanden ist und seit er seinen Geist ausgegossen hat, seitdem durchdringt der Himmel die Erde. Es gibt überhaupt keinen Ort mehr, an dem einer ohne Jesus sein muss. Und das gilt nicht nur für Menschen, die Jesus einmal mit eigenen Augen gesehen haben. Es gilt für jeden, der ihm das glaubt. Klar, die Erde hat uns fest im Griff. Sie hängt uns an und setzt unserem Denken und Planen, ja unserem Leben ihre Grenzen. Aber genauso ist der Himmel da, die Gegenwart Gottes, die Verheißungen seiner Liebe, die Gewissheit der Ewigkeit und der Friede seines Geistes.


Maike Sachs ist Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Gächingen sowie Mitglied der Landessynode der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

(idea; 29. April 2020)

 

Impuls:  Verpufft der Weckruf?

So sprecht zu ihnen: So wahr ich lebe, spricht Gott der Herr: Ich habe kein Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern dass der Gottlose umkehre von seinem Wege und lebe. So kehrt nun um von euren bösen Wegen.

Aus dem Buch des Propheten Hesekiel 33,11

Betrachtet man die biblischen Ausmaße dieser Corona-Pandemie, dann kann einem schon der Gedanke kommen, dass es sich hier um einen gewaltigen Weckruf
Gottes an die Menschheit handelt. Aber wenn diesem deutlichen Weckruf nicht eine ebenso deutliche Information gegenübersteht, wovon und wohin man aufwachen soll, könnte dieser Weckruf möglicherweise wirkungslos verpuffen.

Nun gilt: Die einzigen, die diese Information liefern könnten, sind die Christen. Handelt es sich insofern in allererster Linie vielleicht um einen Weckruf an die Christen? Denn fragt man Christen, was ihnen Jesus im Diesseits bedeutet, hört man oft: „Er hilft mir im Leben und trägt mich in schwierigen Zeiten.“ Viel seltener hört man: „Ich darf an seinem Plan mitarbeiten, andere Menschen vor dem ewigen Gericht zu retten.“

Erfüllungsgehilfen seines Rettungsplanes werden

Wie kommt es, dass Christen Jesus im Diesseits oft als Erfüllungsgehilfen für ihr Leben ansehen, anstatt sich selbst als Erfüllungsgehilfen seines Rettungsplanes? Würde eine externe säkulare Beraterfirma den Grund für dieses Phänomen erforschen, würde sie ihn möglicherweise darin finden, dass der höchste Wunsch Jesu – der Missionsbefehl – nur einen niedrigen Stellenwert in den sonntäglichen Predigten hat. In der Tat hört man kaum Predigten darüber, dass jeder Christ das gewaltige Amt hat, Botschafter des Schöpfers des Weltalls auf diesem Planeten zu sein, und wie man dazu befähigt wird.

Vielleicht würde die Beraterfirma auch feststellen, dass es im Reich Gottes immer zwei Voraussetzungen für eine Befähigung gibt: Der Mensch muss wollen, was Gott will, und glauben, dass er die Befähigung dafür bekommt. Dann geschieht es. Wenn die Pastoren ihre Gemeinden dazu bringen könnten, dass jeder darum betet, selber jemanden zum Glauben führen zu dürfen, und glaubt, dass Gott die Befähigung dazu schenkt, dann geschieht es – auf wunderbare Weise. •


Dr. Albrecht Kellner (Kirchseelte bei Bremen) ist Physiker und stellv. Technischer Direktor i. R. der Raumfahrtfirma Astrium ST, Referent und Buchautor.

(idea; 6. Mai 2020)

 

Impuls:   Singt ein neues Lied!

„Singet dem Herrn ein neues Lied“  

Aus dem alttestamentlichen Buch der Psalmen 98,1

Das war immer eine festliche Zeit, wenn Gemeinde und Chor am Sonntag Kantate Gott im Lied ehrten, manches Mal mit neuen, bei anderer Gelegenheit mit bekannten Liedern, die neu einstudiert worden waren. Die Kantate war Anfang des 18. Jahrhunderts in Italien ein begleitetes Solo-Lied. In Deutschland schuf J. S. Bach wunderbare Kantaten für Chöre. Schon die ersten Gemeinden waren singende Gemeinden. Gebe es Gott, dass bald auch die heutige Gemeinde wieder singen kann.

Gott im Lied preisen und danken

Psalm 98, der prägend ist für den vergangenen Sonntag Kantate, sagt uns, dass wir ein neues Lied singen sollen. Wir loben damit unseren Gott, der Wunder tut und Heil und Segen schafft. „Alle Enden der Erde“, also die ganze Welt, soll Gottes Handeln erkennen und anerkennen. Das der Welt zu sagen ist heute Auftrag der Gemeinde Jesu. Sie wird ihn erfüllen, wenn alle, die zur Gemeinde gehören, sich gegenseitig ermuntern mit Psalmen und Lobliedern. Neue Übersetzungen ermuntern uns, aus vollem Herzen zu singen und zu musizieren.
Das geht in unseren Tagen sicherlich nicht so, wie wir das gerne hätten. Da hilft vielleicht der alte Luther-Text, der auffordert, dem Herrn im Herzen zu singen. Aus meinem Mund strömt dann keine virusgeschwängerte Luft. Ich greife zu meinem Gesangbuch, singe oder summe allein und bitte unseren Herrn, bald wieder seiner Gemeinde Möglichkeiten zu schenken, ihn im Lied zu danken und ihn laut zu preisen.


Horst Marquardt - (Minden) gründete 1970 die Evangelische Nachrichtenagentur idea. Bis Juni 2017 war er ihr Vorsitzender.

(idea; 13. Mai 2020)

 

Impuls:   Himmelfahrt für dich


40 Tage nach dem ersten Osterfest standen die Jünger mit Jesus auf einem Berg. Der Auferstandene hatte ihnen gerade noch letzte Anweisungen gegeben, da wurde er auch schon in den Himmel gehoben. Staunend standen seine Jünger da. Ihr Herr war zum zweiten Mal von ihnen genommen worden.
 

1. Geistesgegenwärtig – warum Jesus gehen musste

Jesus wusste, dass die Himmelfahrt notwendig war. Mehr noch: Er wusste, dass es besser für seine Jünger war, wenn er zum Vater zurückgeht: „Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich hingehe; denn wenn ich nicht hingehe, so kommt der Beistand nicht zu euch. Wenn ich aber hingegangen bin, will ich ihn zu euch senden“ (Johannes 16,7).

So hatte Jesus es seinen Jüngern angekündigt. Er macht den Weg frei für den Heiligen Geist, der von nun an in seinen Nachfolgern wohnen soll, der an Pfingsten über den Gläubigen ausgeschüttet wird und der seine Kirche durch alle Zeiten führt. An Himmelfahrt feiern wir, dass diese Verheißung sich erfüllt hat. Weil Jesus in den Himmel aufgefahren ist, kommt der Himmel ein Stück näher zu uns.
 

2. Fürsprecher – warum Jesus dein Hohepriester ist

Jesus genießt im Himmel nicht seine Ruhe nach der Auferstehung. Vielmehr ist er ständig damit beschäftigt, als unser Hohepriester für uns vor Gott zu treten. „Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der kein Mitleid haben könnte mit unseren Schwachheiten, sondern einen, der in allem versucht worden ist in ähnlicher Weise [wie wir], doch ohne Sünde. So lasst uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit erlangen und Gnade finden zu rechtzeitiger Hilfe!“ (Hebräer 4,15–16).

Mit Jesus als unserem Hohepriester im Himmel haben wir den größten und wundervollsten Fürsprecher an unserer Seite. Nach seinem Leiden am Kreuz und seiner Auferstehung gibt es keinen Moment, keinen Schmerz, keine Scham und kein Leid mehr, das Jesus nicht kennen würde. Er steht ganz an unserer Seite und an unserer Stelle im Gericht. Dafür ist er uns an Himmelfahrt vorausgegangen.
 

3. Die Kommandozentrale im Himmel

Die Himmelfahrt weist in die Zukunft. Die Engel sagen es den Jüngern deutlich: „Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr hier und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird in derselben Weise wiederkommen, wie ihr ihn habt in den Himmel auffahren sehen!“ (Apostelgeschichte 1,11).

Der Auferstandene ist im Himmel, und wir warten auf seine Wiederkunft. Bis es so weit ist, sollen wir nicht einfach dastehen und in den Himmel schauen. Ebenso wie es die Aufgabe der ersten Jünger war, ist es nun an uns, Zeugen für die Botschaft Jesu zu sein.

Deshalb feiern wir. Himmelfahrt ist Jesu Geschenk an dich!

 

Gunnar Engel ist Pastor der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Wanderup (Kreis Schleswig -Flensburg).

(idea; Gastkommentar zum 20. Mai 2020)

 

Impuls:  Aufstehen – gerade jetzt!

Und nun, Herr, höre ihre Drohungen! Hilf allen, die an dich glauben, deine Botschaft mutig und unerschrocken weiterzusagen.

Aus der Apostelgeschichte 4,29


Ein befreundeter Unternehmer erzählte mir kürzlich eine interessante Begebenheit. Als seine Firma im vergangenen Jahr rote Zahlen schrieb, entschloss er sich, all seinen Mitarbeitern einen Bonus auszuzahlen. Manch ein anderer wäre in solch einer Situation eher auf den Modus „Sparen“ umgestiegen und hätte seine Mitarbeiter mit dem Messer am Hals zu Höchstleistungen angespornt. Nicht jedoch dieser Unternehmer – er handelte antizyklisch und gewann dadurch eine motivierte Truppe für das neue Geschäftsjahr.

Furchtlos Gottes Botschaft verkündigen

Auch die Apostel handelten antizyklisch. Sie waren mit großen Herausforderungen konfrontiert. Der Hohe Rat verbot ihnen, weiterhin über Jesus zu predigen. Die junge Gemeinde war heftigem Gegenwind ausgesetzt, die Zukunft ungewiss. Doch anstatt ihre Felle in Sicherheit zu bringen, gingen die Apostel in die Offensive über. Sie baten Gott nicht um Frieden und Schutz, sondern um Mut und Unerschrockenheit für die Ausführung ihres Auftrages. In der Apostelgeschichte lesen wir, dass nach dieser vollmächtigen Gebetszeit die Erde bebte. Die Christen wurden neu mit dem Heiligen Geist erfüllt und taten das, wozu alle Christen berufen sind: Sie verkündeten furchtlos Gottes Botschaft.

Antizyklisch handeln

Es stimmt. Wir stehen in herausfordernden Zeiten. Und die Versuchung ist groß, als Gemeinde und als einzelne Christen in eine defensive Haltung überzugehen. In den Sparmodus zu schalten und einfach versuchen zu überleben. Doch werden wir durch diese Geschichte herausgefordert, den Spieß umzudrehen. Antizyklisch zu handeln. Gerade in diesen dunklen Zeiten aufzustehen und das Licht des Evangeliums klar und hell aufleuchten zu lassen.

 

Gabriel Häsler (Aarau) ist Redner bei den evangelistischen „Life on Stage”-Großveranstaltungen. Er arbeitet als Evangelist und Blogger.

(idea; 27. Mai 2020)

 

Impuls:  Elixier aus der christlichen Hausapotheke

Ich bin darin guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird’s auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu.

Aus dem Brief des Paulus an die Philipper 1,6


„Mit Corona naht das Ende nun endgültig!“, raunt mir schon wieder jemand fast verschwörerisch zu. Zuversicht hört sich anders an. Zuversicht scheint gerade Mangelware zu sein. Dabei gehört sie zu den geistlich notwendigen Lebenselixieren einer christlichen Hausapotheke.

Christliche Herdenimmunität

Ein Cocktail aus bedrohlicher Zukunftsangst, verordneter Beziehungs- und langer Gottesdienstabstinenz hat das geistliche Immunsystem der christlichen Herde ordentlich angegriffen. Umso mehr brauchen wir als Schafe unseres Hirten eine geistliche Impfung, die uns in wackligen Zeiten wieder Standfestigkeit gibt: Eine tägliche Inhalation „Christus wird alles vollenden“ stärkt die Abwehrkräfte ungemein, unterbricht die Infektionsketten der Angst und steckt uns mit einer gesunden Portion Zuversicht an. Und Endzeit ist schon immer – seit der Geburt Jesu. Wann es dann so weit ist, dass der Tag Christi Jesu kommt, weiß nur der Vater im Himmel. Bis dahin heißt es tapfer und mutig: Hoffnung leben und Apfelbäume pflanzen.

Ansteckend leben

Nichts ist so ansteckend wie das neue Leben aus Christus – das ist die Botschaft nach Pfingsten. Nichts konnte damals die Ausbreitung dieser guten Nachricht verhindern, und sie lässt sich auch heute nicht in Quarantäne stecken – höchstens durch unsere Angst. Doch ist sie einmal frei, wird sie wie am Anfang von Mund zu Mund gehen und das Werk vollenden. Ansteckend glauben in ansteckenden Zeiten – das ist für mich der zuversichtliche Imperativ dieser Zeit!


Konstantin Mascher ist Prior der ökumenischen Kommunität Offensiver Junger Christen – OJC e.V. in Reichelsheim (Odenwald) und Greifswald.

(idea; 4. Juni 2020)

 

Impuls:  Menschenwürdig?


Wolfgang Schäuble sorgt in Deutschland für Diskussionen. Es sei nicht so, dass alle anderen Rechtsgüter zurücktreten müssten, wenn es darum gehe, Menschenleben zu schützen, meinte der Bundestagspräsident; der Schutz des Lebens sei nicht absolut. Sollte es im Grundgesetz überhaupt einen absoluten Wert geben, dann sei das die Würde des Menschen. Und auch diese schliesse nicht aus, dass wir sterben müssten. Schäuble selber ist seit einem Attentat im Jahre 1990 querschnittsgelähmt. Und er setzte noch einen drauf: Seine Angst vor Covid-19 halte sich in Grenzen. Sterben müssten alle, und seiner Ansicht nach seien jüngere Menschen einem viel grösseren Risiko ausgesetzt als er, weil sie noch ein längeres Leben vor sich hätten. Der mit 79 Jahren dienstälteste deutsche Politiker erntete einen Sturm der Entrüstung.

Wolfgang Schäubles Aussagen stehen vor dem Hintergrund der Pandemie-Massnahmen. Das öffentliche und private Leben wurde lahmgelegt mit dem Ziel, Leben zu retten. Dazu wurden Grundrechte wie die Wirtschaftsfreiheit und die Versammlungsfreiheit ausser Kraft gesetzt. Was blieb, waren Hausarrest und Kontaktsperren. Besuche in Spitälern und Pflegeheimen waren verboten, Treffen mit Bekannten, Freunden, Kindern und Enkeln untersagt. Und irgendwann stand die Frage im Raum: Ist der Schutz vor Ansteckung wirklich alles? Ist er so hoch einzustufen, dass uns das Recht auf Selbstverantwortung im Umgang mit Risiken aus der Hand genommen wird? Was ist menschenwürdig?

Solche Fragen treiben den Fischenthaler Pfarrer Peter Schafflützel um. „Wir könnten vielleicht noch viele solche Todesfälle verhindern, wenn wir uns für den Rest des Lebens voneinander isolierten“, sagte er im Gespräch mit idea schweiz. Aber Schafflützel fragt, ob denn das die Welt sei, die wir uns wünschten: „Es wäre eine Welt, in der wir einander nur noch durch Masken oder mit zwei Meter Abstand oder via Internet Gottes Liebe erfahrbar machen könnten.“ Körperliche Gesundheit sei ein kostbares Gut, aber nicht das einzige: „Sie ist nicht Gott.“ Auf die Frage, ob es ihn frustriere, dass die Stimme der Kirche im Umgang mit der Pandemie nicht gefragt werde, sieht Pfarrer Schafflützel das Problem eher bei den Kirchen selbst. Er fragt zurück:

„Was hindert uns Theologen, Christen und Kirchen daran, den Ängsten der Welt unsere Hoffnung auf Jesus Christus gegenüberzustellen?“

Rolf Höneisen

(idea schweiz; Editorial vom 10. Juni 2020)

 

Impuls: Von Gott geschenkte Würde

Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde.

Aus dem 1. Buch Mose 1,27a

 

Wolken hatten seine Seele verdunkelt. „Bin ich etwa nur ein Mensch zweiter Klasse?“, fragte er sich. Weil ich in einer Stadt lebe, in der ich nicht geboren bin? Weil ich ein anderes Gesangbuch und ein anderes Parteibuch habe als viele andere in meinem Umfeld? Weil ich weniger leiste, verdiene, besitze, anerkannt bin als andere? Weil ich alt und krank bin? Weil ich meine Hautfarbe und mein Aussehen nicht ändern kann? Und ich nicht mein Rückgrat auf dem Altar des Erfolges opfern will?

Die Würde dieses Menschen ist jedoch wie die Sonne, die zwar missachtet oder ignoriert werden kann, aber nicht außer Kraft zu setzen ist. Sie ist unverlierbar und unzerstörbar. Denn wer kann die Sonne vernichten, die der ewige Schöpfer geschaffen hat? Wer die angeborene und vom Schöpfer geschenkte Würde eines Menschen? Wer wagt es, sich an die Stelle des Schöpfers der Sonne und Stifters der Würde zu setzen?

Alle Menschen sind Kinder Gottes

Die Sonne – die geschenkte Würde – ist unerreichbar weit weg, aber sie ist in ihren Strahlen – z. B. im Blick auf das Recht auf Leben in Würde und das Recht auf Freiheit in Verantwortung – so nah, dass sie jeden einzelnen Menschen erleuchten und erwärmen kann.

Seit Jesus Christus, der das Ebenbild des unsichtbaren Gottes ist (Kolosser 1,15ff), können Christen die bedingungslose Liebe Gottes entdecken, die die Vernunft vernünftig macht, Kraft und Mut schenkt, Entwürdigung zu bekämpfen. Keiner ist Mensch zweiter Klasse, alle sind Kinder Gottes, die unantastbar gewürdigt sind, damit das Leben aller Menschen Würde und Gleichwertigkeit erfährt. Und eine leidende Seele Flügel bekommt, den Sonnenschein entdeckt, wieder froh wird.

 

Burkhard Budde (Bad Harzburg) ist promovierter Theologe, freier Journalist und Autor. Er war Leiter der diakonischen Stiftung Marienstift in Braunschweig und ist nach seiner Pensionierung als Stiftungsratsvorsitzender des Wichernhauses in Bad Harzburg tätig.

(idea; 17. Juni 2020)

 

Impuls: Jesus schenkt Frieden

„Dein Glaube hat dir geholfen; geh in Frieden“

Aus dem Evangelium nach Lukas 7,50 sowie 8,48

 

Deutschland ist im Krisenmodus. Fast die gesamte Welt beschäftigt sich mit dem Coronavirus, und viele Länder erleben medizinische, wirtschaftliche, gesellschaftliche Krisen. Dabei entdecken wir, Krisen sind Teile des Lebens. Mal sind sie größer und halten länger an, mal sind sie klein und von kurzer Dauer. Aber eins ist gewiss: Sie verändern Leben. Die Zusagen aus dem Lukasevangelium spricht Jesus zwei von Krisen gebeutelten Frauen zu. Da ist zum einen in Lukas 7 die Rede von einer Frau, die in eine Männerrunde eindringt und voller Liebe Jesus mit Öl salbt. Sie wird als Sünderin bezeichnet. Eine Frau außerhalb der Gesellschaft.

Die zweite Frau begegnet Jesus in der Menschenmenge. Als Jairus eine Krise erlebt: Sein Kind liegt im Sterben, und er bittet Jesus, sofort zu kommen. Da hält eine Frau das ganze Vorhaben auf. Sie ist aussätzig, leidet an Blutungen und hat ihr gesamtes Vermögen für Ärzte ausgegeben.

Beide Frauen begegnen Jesus und am Ende der Begegnung spricht er ihnen zu: „Dein Glaube hat dir geholfen; geh in Frieden.“

Zu Jesus kommen und ihm vertrauen

Es wird deutlich, dass Jesus die Handlungen der Frauen nicht als unrein oder unangebracht ansieht, sondern er deutet ihr Handeln als Glaube. Der Glaube, der hier angesprochen wird, bezieht sich nicht auf das Verlässliche des Menschen, sondern es drückt die Treue und unbedingte Liebe Gottes aus. Dem Glauben der zwei Frauen geht Gottes Glaube voran, denn glauben heißt, Gott für treu halten. Sie haben alles darauf gesetzt, Jesus in ihrer Krise zu begegnen. Tun wir das auch? In der Krise zu Jesus kommen und ihm vertrauen. Denn er ist verlässlich und schenkt Frieden. •

 

Daniela Knauz (Rödermark bei Frankfurt am Main) ist Referentin für Frauen und ältere Generationen im Bund Freier evangelischer Gemeinden.

(idea; 24. Juni 2020)

 

Impuls:   Gott gläubig vertrauen

"Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht!"

Aus dem Buch des Propheten Jesaja 7,9b

 

Im Herbst 1989 kam der Umbruch im geteilten Deutschland. Hoffnungsvoll marschierten wir in Leipzig für eine gute Zukunft. Aber Bedenken und Ängste gab es dann auch: Wie wird es weitergehen? Wir kannten doch nur die alte Welt mit dem sozialistischen System. Das war nun ganz plötzlich weg. Tatsächlich, es ging weiter: mit D-Mark und Demokratie!

Heute stehen wir wieder vor einem Umbruch: Wie wird es weitergehen?

Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht! Diese Worte hört das jüdische Volk unter König Ahas. Es hat große Angst, denn es wird von einer kriegerischen Allianz aus Syrien und Nordisrael bedrängt. Die Bibel beschreibt: „Da bebte Ahas das Herz und das Herz seines Volks, wie die Bäume im Walde beben vom Winde.“ Jesaja sagt zu Ahas: Ihr braucht eure Feinde nicht zu fürchten. Denn Gott hat beschlossen, dass ihr Unternehmen scheitern wird. Und das ist das Entscheidende! Gott hat und behält alles in der Hand!

Wie können wir wissen, dass Gott hilft?

Das Problem ist nur: Wie kann Ahas wissen, dass Gott überhaupt helfen kann und auch wird? Er vertraut auf die sichtbaren Fakten, und die machen einfach nur Angst! (Auch heute gibt es eine Menge sichtbarer Fakten …) Wie kann der König Ahas überzeugt werden, dass die Rede über Gott und seine Hilfe, auch wirklich wahr ist?

Ja, und wie können wir überzeugt werden, dass die Corona-Krise zwar ernst ist, dass wir uns dennoch nicht in Angst und Verzweiflung verzehren müssen?

Es ist der Glaube! Das gläubige Vertrauen darauf, dass Gott der Herr und Schöpfer ist: „Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann“ (Paul Gerhardt).

 

Christian Huth (Niesky/See nahe Görlitz) ist Pfarrer im schlesischen Teil der berlin-brandenburgischschlesischen Kirche.

(idea; 01. Juli 2020)

 

Impuls:   Trotz Corona Gott loben

Porträt - KARRIERE  Wie kann man Gott loben, wenn man als Musiker und Produzent schwer erkrankt oder – wie jetzt in der Corona-Pandemie – keine Einnahmen hat? Ein Gespräch mit einem Betroffenen, den Künstler Jochen Rieger (63). Er hat Hunderte von Musikproduktionen, Liederhefte und Hörspiele verantwortet.

Von Klaus Rösler

 

Ende 2010: Jochen Rieger ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Er ist leidenschaftlicher Pianist und Produzent, der zu begeistern weiß. Er hat Klavier und Trompete sowie Jazz- und Popularmusik in Karlsruhe und Stuttgart studiert. Nach dem Abschluss mit Auszeichnung fragt er sich, ob er eine säkulare oder christliche Karriere starten soll. Das Orchester des SWR (Südwestrundfunk) will ihn als Leiter haben, aber als entschiedener Christ will er auch im Reich Gottes wirken. Er bewirbt sich beim christlichen Medienverlag Schulte und Gerth (Aßlar bei Wetzlar), später Gerth Medien, und wird 1986 als Musikreferent eingestellt. Er leitet nicht nur die Musikabteilung, sondern auch den Studiochor des Verlags und den Wetzlarer Jugendchor. Er gründet den Chor „Perspektiven”, der dadurch bekannt wird, dass er nicht nur singt, sondern die Aussagen der Lieder durch passende Bewegungen unterstreicht. Immer wieder muss Rieger sein Tun rechtfertigen. Als er seine Musik von einem Schlagzeug begleiten lässt, werfen konservative Christen ihm vor, damit ein Einfallstor für den Teufel geschaffen zu haben. So etwas zerrt an den Nerven. Belastend kommt später für Rieger hinzu, dass er nach einem Eigentümerwechsel des Verlags – die internationale Verlagsgruppe Random House kauft Gerth Medien auf – stärker als zuvor darauf achten muss, dass die Musikabteilung Profit abwirft.

Wenn die Finger taub werden

Plötzlich spürt er seine Beine nicht mehr. Und auch die Finger kribbeln und sind taub. Eine Untersuchung ergibt: Er leidet an Myelitis, einer seltenen Entzündung der Nervenummantelung im Rückenmark. Sie wird mit hochdosiertem Cortison behandelt. Als ob das nicht reicht, folgen zwei Hörstürze und eine Pilzerkrankung als Folge der Cortisoninfusionen. Lebensgefahr! Nur eine Transfusion mit Blutplasma rettet sein Leben. Bis heute hört er ein Pfeifen im Ohr: Tinnitus. Über ein Jahr lang kann er nicht arbeiten. Er kehrt auch nicht mehr in den Verlag zurück, sondern macht sich 2012 selbstständig. „Wir“ – er meint sich und seine Ehefrau Karin – „haben immer auf Gott vertraut“. Seine früheren Musikproduktionen hätten oft missionarische Folgen gehabt. Professionelle Musiker und Sprecher seien Christen geworden. Hörer und Käufer seiner Produktionen hätten ihm mitgeteilt, dadurch die Bibel und Gottes Wirken besser verstanden zu haben. „Wer so etwas erlebt hat, verzweifelt auch nicht, wenn es mal nicht so gut läuft.“ Nach seiner Genesung beginnt er wieder, Klavier zu spielen. Er erteilt auch Klavierunterricht, was etwas Geld in die Haushaltkasse spült, und veröffentlicht nun CDs und Liederhefte bei verschiedenen Verlagen. Er bringt das Apostolische Glaubensbekenntnis als Pop-Oratorium auf die Bühne und initiiert die Gründung neuer Vereine, etwa „Kunst & Glaube“. Rieger bekennt: „Wir sind heute viel abhängiger von Gott. Aber wir erleben auch: Er versorgt uns.“

„Soli Deo Gloria“

Sein Anliegen ist identisch wie das des großen Komponisten Johann Sebastian Bach (1685–1750): „Soli Deo Gloria“ (Allein zur Ehre Gottes). Die Corona-Pandemie macht ihm keine Angst. Er bekennt: „Krisen sind Chancen.“ Das hat er selbst erlebt.

 

jochen-rieger.com

(idea; 08. Juli 2020)

 

Impuls:   Ohne Gottes Nähe fehlt Entscheidendes

Naht euch zu Gott, so naht er sich zu euch.

Aus dem Brief des Jakobus 4,8

 

Wie viel Leid kann ein Mensch ertragen? Das habe ich mich gefragt, als ich die Biografie des US-amerikanischen Pastors Jack Deere (Jahrgang 1948) las. „Selbst im Dunkel bist du da“ heißt sie auf Deutsch. Seine Mutter war manipulativ bis sadistisch, sein Vater nahm sich das Leben. Als Jugendlicher kam Jack Deere zum Glauben an Jesus – doch sein Leben blieb leidvoll. Der mittlere seiner drei Söhne beging ebenfalls Suizid, seine Frau versuchte, ihren Kummer jahrelang im Alkohol zu ertränken.

Der Glaube gab kaum noch Trost

In seinen schwersten Zeiten fand Jack Deere auch im Glauben kaum noch Trost. Und doch hörte er nicht auf, die Nähe Gottes zu suchen. Durch schwerste Anfechtung hindurch kam er neu und vertieft zu Gott. Seine Nähe hielt ihn am Leben. Gerade die Traumata seines Lebens führten den Theologieprofessor zu einer innigen Freundschaft mit Jesus: Nicht im Wissen über Gott, sondern in der vertrauensvollen Hingabe an ihn fand er Trost. Und so lautet der Untertitel des Buches: Eine Geschichte von Schönheit in einem zerbrochenen Leben.

Wie Gottes Schönheit aufscheint

Wie scheint diese Schönheit des lebendigen Gottes auch in meinem Leben auf? Gott sei Dank ist in meinem Leben noch nicht so viel Schlimmes passiert. Und doch: Ohne die Nähe Gottes ist jedes Leben in gewisser Weise zerbrochen. Es fehlt das Entscheidende. Jakob, der Bruder Jesu, schrieb: „Naht euch zu Gott, so naht er sich zu euch.“ Vielleicht ist das kein Rezept, aber doch ein Schlüssel: Suche Gottes Nähe – unter allen Umständen. Und Gottes Licht scheint auch in dein Leben hinein.

 

Simon Laufer ist Pastor der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Iselersheim (bei Bremervörde) und freier Journalist.

(idea; 15. Juli 2020)

 

Impuls:   Wer auf Gottes Wort steht, kommt nicht ins Wanken

Eine umso festere Grundlage haben wir darum im prophetischen Wort, und ihr tut gut daran, darauf zu achten wie auf ein Licht, das an einem dunklen Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht.

Aus dem 2. Brief des Petrus 1,19

 

In turbulenten Zeiten brauchen wir ein festes Fundament, auf dem wir sicher stehen können. Kurz vor seinem Tod erinnert der Apostel Petrus die Gläubigen daran, dass die Bibel diese feste Grundlage ist, auf die wir achten sollten. Bedenkenswert ist der Kontext, in dem Petrus das schreibt. Unmittelbar vor diesem Vers hatte er an seine Gotteserfahrung bei der Verklärung des Herrn Jesus Christus erinnert. Damals hatte er etwas erlebt, nach dem sich viele Christen sehnen. Er hatte Jesus in seiner ganzen Herrlichkeit erstrahlen gesehen. Doch er hatte diese Gotteserfahrung falsch interpretiert. Er wollte damals auf dem Berg der Verklärung Hütten bauen, um diesen Moment zu konservieren. Aber dann hörte er die Stimme Gottes, der deutlich machte, dass Jesus sein einer geliebter Sohn ist, auf den es zu hören gilt.

Im Wissen darum, wie leicht wir Gotteserfahrungen fehlinterpretieren können, und in Treue zum göttlichen Auftrag verwies Petrus die Gläubigen auf die eine unfehlbare Quelle göttlicher Offenbarung, auf das prophetische Wort, das er in Vers 20 auch als „die Schrift“ bezeichnet.

Der Bibel viel Raum im Leben geben

Wir tun gut daran, uns nicht nur allgemein zum reformatorischen „sola scriptura“ zu bekennen, sondern der Bibel viel Raum in unserem Leben zu geben. Die Nachrichten unserer Tage haben keine große Halbwertzeit, und vor allem können sie uns aufschrecken und verunsichern.

Aber wer fest auf dem Wort Gottes steht, kommt nicht ins Wanken. Denn dieses Wort ist ewig und weist uns den Weg hin zur Herrlichkeit. Deshalb tun wir „gut daran, darauf zu achten wie auf ein Licht, das an einem dunklen Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht“.

 

Matthias Lohmann ist Pastor der Freien evangelischen Gemeinde München-Mitte.

(idea; 22. Juli 2020)

 

Impuls:   Häppchenweise entwürdigt


„Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen als unser Bild, uns ähnlich“ (1. Mose 1,26).
Gottähnlich. Designed by God. Diese Ebenbildlichkeit ging dem Menschen mit der Emanzipation von Gott verloren. Ohne Gott sind wir auf uns selbst geworfen. Das bedeutet: Wir fällen schwerwiegende Entscheidungen, als trügen wir gottgleiches Kreativ-Potenzial in uns. Immerhin sind wir in der Lage, das biologische Erbgut zu verändern und intelligente Maschinen zu erschaffen! Kürzlich veröffentlichte die religiös unverdächtige NZZ einen Beitrag mit dem Titel „Verdrängen wir Gott von seinem Platz? Oder werden wir Menschen selbst bald ersetzt – von unseren eigenen Schöpfungen?“ Auf der Suche nach Antworten stellen wir fest: Mit dem Weglegen Gottes fehlt uns eine verbindende, übergeordnete, moralische Autorität. Wir fällen Entscheidungen ohne Rückkopplung mit dem Höchsten. Uns lenken die eigenen Bedürfnisse, die Prämissen des Fortschritts und der Nützlichkeit der Konsumgesellschaft. Aber das Sein, die Person, die Würde erhält das Leben aus dem Geboren- und Verwobensein mit der Transzendenz!

Geben wir es doch zu: Seit wir Gott als bedeutungslos einstufen, haben wir nichts mehr, mit dem wir die Würde des Menschen verteidigen könnten. Merken wir es nicht? Abgekoppelt von Gott werden wir häppchenweise entwürdigt.

Ivan Illich – katholischer Theologe mit jüdischen Wurzeln – meint, die mit der Technologisierung einhergehende Entpersönlichung bereite den Weg für eine „schöne neue Biokratie, in der wir alle vom Sperma bis zum Grab durch den medizinisch-industriellen Komplex verwaltet werden“. Als blosse Ansammlung von Zellen, die verknüpft ist mit einem Bündel von Nerven, sind wir austauschbar, manipulierbar, verwertbar, vernachlässigbar. Für mich ist das ein Weg des Todes.
Die gute Nachricht ist: Es gibt einen Weg des Lebens! Es gibt einen, der uns nicht aufgibt. Christus verkörpert die Ehre und die Herrlichkeit Gottes und er will uns die verlorene Herrlichkeit wieder zugänglich machen. Hier zentrale Verse aus dem 1. Johannesbrief 4,9 und 10:

„Gottes Liebe zu uns ist für alle sichtbar geworden, als er seinen einzigen Sohn in die Welt sandte, damit wir durch ihn leben können. Das Einzigartige an dieser Liebe ist: Nicht wir haben Gott geliebt, sondern er hat uns seine Liebe geschenkt. Er gab uns seinen Sohn, der alle Sünden auf sich nahm und sie gesühnt hat.“ Danke für diese Vorschussliebe.
 


Rolf Höneisen

(idea schweiz; Editorial 22. Juli 2020)

 

Impuls:   Heute ist der Tag der guten Nachricht

"Eigentlich ist es nicht recht, was wir hier tun. Heute ist ein Freudentag! Wir haben eine so gute Nachricht für die Leute in der Stadt und behalten sie für uns. Wenn wir unsere Entdeckung erst morgen früh melden, machen wir uns schuldig. Kommt, lasst uns zurückgehen und im Königspalast alles berichten!"

Aus dem 2. Buch der Könige 7,9

 

Die verheerende Explosion in Beirut, ein Selbstmordanschlag auf ein Flüchtlingscamp in Kamerun, steigende Corona-Fallzahlen: Täglich erlebe ich eine Inflation von schlechten Nachrichten. Mitten in dieser Flutung mit bad news lese ich einen Abschnitt aus 2. Könige 6,24–7,20. Die Stadt Samaria wird überfallen und von einem feindlichen Heer belagert. Es ist aussichtslos. Bad news. Hunger macht sich breit. Mitten in diesem Schrecken machen sich vier hungernde Aussätzige auf den Weg ins feindliche Lager. Ein Wunder ist geschehen. Über Nacht sind die feindlichen Soldaten getürmt. Die vier Aussätzigen schlagen sich die Bäuche voll. Und dann fällt ihnen plötzlich ein: „Eigentlich ist es nicht recht, was wir hier tun. Heute ist ein Freudentag! Wir haben eine so gute Nachricht für die Leute in der Stadt und behalten sie für uns. Wenn wir unsere Entdeckung erst morgen früh melden, machen wir uns schuldig. Kommt, lasst uns zurückgehen und im Königspalast alles berichten!“ (2. Könige 7,9).

Ich möchte ein Verbreiter dieser guten Nachricht sein

Ich liebe diesen Vers. Die vier Aussätzigen hätten allen Grund gehabt, ausschließlich an sich selbst zu denken. Machen sie nicht. Sie erzählen die Freudenbotschaft überall. Gerne möchte ich diesen Vers auf heute übertragen. Wir haben mit der Botschaft von Jesus Christus eine so gute Nachricht bekommen – eine Botschaft der Versöhnung. Heute ist der Tag der guten Nachricht. Ich möchte ein Verbreiter dieser guten Nachricht sein. Für all das, wo ich das gute Ziel Gottes aus den Augen verloren habe, gibt es eine Lösung. Das Evangelium von Jesus Christus bedeutet, ein anderer bezahlt für mein Lebensversagen. Ich brauche mich für mein Versagen nicht mehr zu schämen. Liebe Christen, posaunt es hinaus! Steht dafür ein! Heute ist der Tag der guten Nachricht.


Peter Schneeberger (Pfäffikon) ist Präsident der Freien Evangelischen Gemeinden Schweiz und Freikirchen Schweiz.

(idea; 13. August 2020)

 

Impuls:   Feste Zuversicht

Hoffet auf ihn allezeit, liebe Leute, schüttet euer Herz vor ihm aus; Gott ist unsere Zuversicht.

Aus dem alttestamentlichen Psalm 62,9

 

Die Wahrheit des Wortes aus Psalm 62 erlebten mein Freund Bill und seine Frau, als sie nach vielen Jahren des Einsatzes in einer weltweiten Missionsgesellschaft in die USA, ihre Heimat, zurückkehrten. Während ihres Dienstes lebten sie in 21 Häusern oder Wohnungen in acht Ländern auf fünf Kontinenten. Nun sollte ihr Ruhestand beginnen. Sie hatten klare Vorstellungen von dem Haus, in das sie einziehen wollten. Es sollte nicht zu groß sein, aber genügend Platz bieten, wenn die Kinder oder Besucher zu ihnen kämen. Sie wussten zwar nicht, wie sich ihr Wünschen und Beten erfüllen sollte, doch waren sie voller Zuversicht, dass Gott einen geeigneten Weg finden würde. In ihren Andachten schütteten sie vor Gott ihr Herz aus. Voller Spannung warteten sie darauf, wie Gott ihre Bitten erhören würde.

Sie empfanden es als eine göttliche Führung

In dieser Zeit gingen ihnen viele Bibelworte durch den Kopf, unter anderem auch die Aussage des Hebräerbriefes: Es ist der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. Sie empfanden es als eine göttliche Führung, dass sie mit einer Maklerin zusammenkamen, die sehr einfühlsam auf ihre Vorstellungen einging. Unter den verschiedenen Vorschlägen, die diese Frau machte, war einer, der meine Freunde besonders ansprach. Es wurde ihnen eine Wohnung gezeigt, von der sie wussten: Das ist sie! Gott hatte ihre Zuversicht nicht zuschanden werden lassen. Es schien ihnen, als sei dieses Haus für sie gemacht worden. Es war in Erfüllung gegangen, was sie im Vertrauen zu Gott erwartet hatten.

 

Horst Marquardt (Minden) gründete 1970 die Evangelische Nachrichtenagentur idea. Bis 2017 war er ihr Vorsitzender. Er veröffentlicht jede Woche einen geistlichen Impuls auf seinem Blog marquardts-bilanz.de.

(idea; 19. August 2020)

 

Impuls:   Gottes Geist für alle Generationen

Ich will meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, und eure Söhne und Töchter sollen weissagen, eure Alten sollen Träume haben … Und wer des Herrn Namen anrufen wird, der soll errettet werden.

Aus dem Buch des Propheten Joel 3,1+5

 

Wir leben in spannenden Zeiten, vieles verändert sich, was bisher noch „normal“ war, muss neu gedacht werden. Wir brauchen Antworten, wir brauchen Weisheit, wir brauchen Führung – von Gottes Geist! Dass herausfordernde Zeiten kommen werden, hat er uns gesagt. Doch er hat auch gesagt: Ich verlasse euch nicht, ich habe die Kontrolle und habe einen Plan mit dieser Welt.

Es geschieht etwas in unserer Mitte

Was ich beobachte, ist, dass um uns herum eine junge Generation heranwächst, die sich unglaublich nach Gott ausstreckt. Ich erlebe junge Menschen, die eine Weisheit und Klarheit in ihren Worten haben, die ich außergewöhnlich finde. Hier geschieht etwas in unserer Mitte, das Gott nur durch seinen Geist wirken kann.

Wir werden in den nächsten Jahren mehr und mehr die Führung des Heiligen Geistes brauchen. Ein Zusammenwirken von den Älteren und den Jungen. Ein gegenseitiges Unterstützen und ein gemeinsames Reich-Gottes-Bauen – über die Generationen hinweg.

Verschließen wir uns nicht für den Heiligen Geist

Gott möchte, dass Menschen ihn kennenlernen und gerettet werden. Das ist sein Plan und seine Absicht. Lasst uns Orte in unseren Gemeinden schaffen, wo Menschen willkommen sind. Verschließen wir uns nicht für das Reden des Heiligen Geistes, auch wenn er Ungewohntes spricht und vielleicht durch Menschen, die wir bisher gar nicht auf dem Schirm hatten. Unser Gott hat einen Rettungsplan, den er mit uns umsetzen will!

 

Sibylle Beck ist Leitende Pastorin der Freikirche ICF Karlsruhe.

(idea; 26. August 2020)

 

Impuls:   Essen für alle

Wir aber wollen ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben.

Aus der Apostelgeschichte 6,4

 

Peinlich, peinlich! Obwohl die Apostel selbst die Kochlöffel geschwungen und für die Mahlzeiten gesorgt haben, hat es mit dem „Essen für alle“ in der Gemeinde Jerusalem nicht geklappt. Hebräische und griechische Witwen sollten „Essen auf Rädern“ bekommen, aber die Teller der griechischen Witwen sind leer geblieben. Man hat sie einfach übersehen unter den vielen, die versorgt werden mussten. So kam es mitten im Wachstumsfrühling der Gemeinde zu Unruhen und zu einer Gemeindeversammlung, in der die Apostel das Problem auf den Punkt brachten: „Es ist nicht recht, dass wir für die Mahlzeiten sorgen und darüber das Wort Gottes vernachlässigen.“ Deshalb wurden sieben Diakone eingesegnet. Sie sollten für die Mahlzeiten sorgen, damit die Apostel „ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben“ konnten.

Wort Gottes und Suppenkelle!

Es klingt wie ein Kommentar zu dem missglückten Diakonie-Akt in Jerusalem, wenn ein Theologe mahnt: „Vor lauter Einsatz für den Nächsten sollten die katholische und evangelische Kirche die Weitergabe der christlichen Botschaft nicht vergessen.“ Diese Botschaft lautet: Nicht die unzähligen Aktivitäten des Gemeindelebens sind die Mitte unseres Christseins, sondern der auferstandene Gottessohn, der „mich verlorenen und verdammten Menschen erlöst hat, erworben, gewonnen, mit seinem heiligen teuren Blut“. Menschen, die zu Christus gehören, wissen, dass Suppenkelle und Wort Gottes beides Seiten der einen Medaille sind: Gottes Diakonie in dieser Welt für die Ewigkeit. Darum ist die Kirche beauftragt, beim Gebet und beim Dienst des Wortes zu bleiben.


Wolfgang Schillhahn (Grünberg) war bis zum Eintritt in den Ruhestand Superintendent der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche. Anschließend war er ehrenamtlicher Seelsorger in der christlichen Klinik Hohe Mark (Oberursel bei Frankfurt am Main).

(idea; 2. September 2020)

 

Impuls:  Corona darf uns Christen nicht spalten


Liebe Leserin, lieber Leser,

Corona hat heftige Auseinandersetzungen ausgelöst – auch unter Christen. Ist das neue Virus gefährlich oder nicht besonders gefährlich? Welchen Experten soll man vertrauen? Sind die Maßnahmen der Regierungen verhältnismäßig und hilfreich oder falsch und zerstörerisch?

Eine Demokratie braucht den öffentlichen Streit darüber, was Parlamente und Regierungen entscheiden sollen oder entschieden haben. Weil die Folgen für sehr viele Menschen schmerzhaft sind, ist es kein Wunder, dass die Diskussionen nicht immer geduldig mit kühlem Kopf geführt werden.

Der politische Gegner ist kein Feind

Auch Christen bilden sich ihre Meinungen und äußern sie öffentlich. Diese Meinungen sind erkennbar unterschiedlich, oft sogar gegensätzlich. In politischen Fragen waren Christen nie einer Meinung und werden es auch in Zukunft nicht sein. Christen sollen und werden hoffentlich ihr Gewissen an Gottes Wort schärfen und um Weisheit beten. Die politische Arbeit besteht dann erstens im Verstehen von komplexen Problemen. Dazu ist Vernunft und Sachkenntnis nötig. Zweitens müssen Lösungen für die Probleme gesucht werden. In einer parlamentarischen Demokratie müssen mehrheitsfähige Kompromisse gefunden werden, die nie alle zufriedenstellen. Auch wenn Christen unterschiedliche Positionen vertreten, muss für sie doch gelten: Der politische Gegner ist kein Feind. Jeder sollte seine Gründe sorgfältig bedenken und verantwortlich darlegen.

Das Evangelium hilft gegen Angst und Sorgen

Gibt es heute eine Aufgabe, die nur Christen erfüllen können? Ja. Nichts ist nötiger, als den von Sorgen und Angst getriebenen Menschen das Evangelium vom gekreuzigten, auferstandenen und wiederkommenden Herrn Jesus Christus zu sagen. Sein Machtwort hilft: „In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“ (Johannes 16,33). Wer ihm folgt, kann mit Paulus zuversichtlich sagen: „Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn“ (Philipper 1,21).

Demonstrationen für Jesus

Die kirchliche Botschaft der letzten Monate, Abstand sei die neue Form der Nächstenliebe, tröstet weder im Leben noch im Sterben. Unsere wichtigste Aufgabe ist, für Jesus Christus zu demonstrieren. Das lateinische Wort „demonstrare“ bedeutet „genau zeigen“, „auf jemanden hinweisen“. Wer den gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus kennenlernt, begreift, dass Gott uns durch Gericht und Gnade zur Umkehr ruft. Also gilt es, den Menschen Christus vor die Augen zu malen, wie Paulus es tat (Galater 3,1). Digital geht mehr als früher. Viele Christen nutzen das. Gott sei Dank! Aber Demonstrationen für Jesus unter freiem Himmel und mit viel frischer Luft, gern auch mit Mund-Nasen-Bedeckung, sind doch auch möglich, oder? Warum finden sie nicht statt?

Es grüßt Sie herzlich Ihr

Ulrich Parzany

 


Pfarrer Ulrich Parzany (Kassel) ist Evangelist und Vorsitzender des Netzwerks „Bibel und Bekenntnis“. .

(idea; Gastkommentar 9. September 2020)